Geschichte des Amtes Geest und Marsch Südholstein (benannt als Amt Moorrege bis zum 31.12.2016)

1. Vorgeschichte zur Ämtergründung

Das Land Schleswig-Holstein wurde 1946 gebildet. Es bestanden damals neben den Großgemeinden im Kreis Eutin und den Besonderheiten im Kreis Herzogtum Lauenburg sowie den Kirchspielslandgemeinden und Gemeinden in den Kreisen Dithmarschen und Husum die Gemeinden und daneben die Amtsbezirke mit den Amtsvorstehern nach der Preußischen Kreisordnung von 1888. Dr. Laux stellt in seinem Kommentar zur Amtsordnung 1952 ausführlich die geschichtliche Entwicklung dar und hebt hervor, daß die heute kaum vorstellbaren Aufgaben, die jede Landgemeinde nach 1945 durchzuführen hatte, bald den Beweis brachten, daß die kleinen Einzelgemeinden mit eigener Verwaltung und die Amtsvorsteher diesen Verhältnissen nicht mehr gewachsen waren. Dank des hauptamtlichen Personals ließen sich dagegen in den Kirchspielslandgemeinden und Großgemeinden diese Aufgaben besser bewältigen. Das führte beim Schleswig-Holsteinischen Landtag zur Amtsordnung vom 6.8.1947, wobei eine den Kirchspielslandgemeinden ähnliche Lösung gewählt wurde. Der Gesetzgeber übernahm für den ehrenamtlichen Leiter aber nicht die analoge Bezeichnung "Amtsvorsteher", sondern "Amtmann", während der büroleitende Beamte in Ablehnung an den geprägten Begriff "Kirchspielschreiber" in den Kirchspielslandgemeinden in der Amtsordnung zum "Amtsschreiber" wurde - eigentlich eine gängige Bezeichnung für einen Mitarbeiter mit einfachen Aufgaben.

Der Gesetzgeber sah die Ämter 1947 als reine Verwaltungsgemeinschaften mit körperschaftlichem Charakter. Damals wurde das Schlagwort "Das Amt als Schreibstube der Gemeinde" geprägt. Die Ämter hatten nach den Beschlüssen der Gemeinden die Aufgaben durchzuführen, die ihnen von den Gemeinden übertragen wurden, außerdem als Auftragsangelegenheiten die Aufgaben, die nach bisherigem Recht den preußischen Amtsvorstehern zugefallen waren. Der Amtmann als ehrenamtlicher Leiter übernahm die Funktion der örtlichen Ordnungsbehörde. Das Amt hatte aber auch die Kassen- und Rechnungsführung der amtsangehörigen Gemeinden zu besorgen, wobei die Übernahme von den Gemeinden häufig zu Schwierigkeiten führte. In dem Runderlaß des Ministers des Innern vom 7.7.1948 über die Durchführung der Amtsordnung wird herausgestellt, daß die erfolgreiche Arbeit der Ämter besonders von der richtigen Auswahl der Amtsschreiber abhängen wird.

2. Die Anfänge des Amtes Moorrege als früheres Amt Uetersen-Land

Nun zu unserem Amt, das seinen Betrieb zum 1. April 1948 mit der Betreuung der Gemeinden Groß Nordende, Heidgraben, Heist, Holm, Moorrege und Neuendeich aufnahm, und zwar unter der Bezeichnung "Amt Uetersen-Land":

Das Protokollbuch des Amtsausschusses beginnt mit der Sitzung am 30. März 1948 in der Volksbank Uetersen. Leider sind keine Unterlagen über die erste Sitzung vom 12.3.1948 vorhanden, in der als 1. Amtmann Bankdirektor Heinrich Schmidtpott gewählt und der frühere Kreisoberinspektor Ernst Stahl nach einem Schreiben des Amtes vom 4.4.1948 zum Amtsschreiber berufen wurde. Aus dem Schreiben des Amtes vom 8.10.1948 an den Kreis ergibt sich, daß der Amtsausschuß am 29. Sept. 1948 die endgültige Anstellung von Herrn Stahl nach der vorausgegangenen Probedienstzeit von 6 Monaten beschlossen hatte. Das Problem der Raum- und Bürobeschaffung wird aus der Sitzung vom 30. März deutlich. Verhandlungen liefen, um Büroräume bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Uetersen, Kleiner Sand 51, zu bekommen. Die wohnraummäßige Zustimmung der Stadt Uetersen war von der Unterbringung von je 3 Personen aus Uetersen in Moorrege und Heist abhängig. Beschlossen wurde, zunächst 4 Büroräume einzurichten und Einrichtungsgegenstände für 6 Arbeitsplätze zu schaffen. Von den amtsangehörigen Gemeinden sowie von Privatpersonen und von der Volksbank wurden gebrauchte Tische, ein Schrank und 1 Schreibmaschine zur Verfügung gestellt.

Die vorläufige Besetzung des Amtsbüros wurde mit der Angestellten Luise Ladewig aus Neuendeich, dem Angestellten Tank aus Heist und einem Lehrling beschlossen. Bis zur Herrichtung der Räume in Uetersen war das Amtsbüro in einem Raum der Gemeindeverwaltung Moorrege untergebracht, die sich damals in der Pinneberger Chaussee 5 im Gebäude der ehemaligen Nordmark-Werke befand, bevor der Umzug nach Uetersen Anfang Mai 1948 erfolgen konnte.

Am 30.3.1948 wurde beschlossen, sofort die Kassen- und Rechnungsführung für die amtsangehörigen Gemeinden zu übernehmen; die Aufgaben des früheren Amtsvorstehers sollten im Einvernehmen mit der Landkreisverwaltung wahrgenommen werden, sobald die Voraussetzungen für die Übernahme gegeben waren.

Der Amtsausschuß bestand damals aus 11 Mitgliedern, nämlich den Bürgermeistern und je einem zusätzlichen Mitglied aus Heidgraben, Heist, Holm und Moorrege und dem Amtmann. In dem Protokoll der Amtsausschußsitzung vom 7.5.1948 wird Kassenleiter Pein erwähnt, während als Amtsbote und Vollziehungsbeauftragter Paul Pruß eingestellt wird. Der Haushaltsplan des Amtes für 1948 schließt mit 42.829 DM bei einer Amtsumlage von 25 % ab und wurde mit der damals noch den Ausschlag gebenden Stimme des Amtmannes angenommen, da sowohl 5 Mitglieder für und 5 Mitglieder gegen die Satzung stimmten. Der Ruhegehaltskasse wurde beigetreten, die Kartenstellen von Neuendeich und Heist auf das Amt übertragen. Ein Dienstfahrrad war zu beschaffen.

Am 21.6.1948 wurde entsprechend der Beschlüsse der Gemeinden festgelegt, die Verwaltungsaufgaben auf dem Gebiet der Haushalts- und Wirtschaftsführung zu übernehmen und zum 1.7.1948 die Aufgaben der Kartenstellen mit Markenrücklauf zu bewältigen. Ein Standesamtsbezirk Uetersen-Land sollte zum 1.1.1949 beantragt werden. Eingestellt werden Frau Holdefer aus Moorrege und Herr Günther Brügmann von der Gemeindeverwaltung Moorrege. Die nächste Sitzung wurde bereits zum 29.06.1948 einberufen, da am 22.6.1948 die Währungsreform stattgefunden hatte. Besprochen wurden die Richtlinien der Kreisverwaltung für die Haushaltsführung nach der Währungsreform. Ein Antrag lag vor, alle Aushilfsangestellten zu entlassen und die Gehälter und Bezüge der übrigen Bediensteten um 30 % zu kürzen. Eine Entlassung war wegen des Arbeitsanfalles nicht möglich, im übrigen sollten die Richtlinien des Landes abgewartet werden. Die Bezüge waren zunächst für jede Dekade auszuzahlen. Am 22.7.1948 wurde von der Übertragung der Aufgaben des Meldewesens und der Führung der Wahlkartei auf das Amt zustimmend Kenntnis genommen, wofür die Gemeinden Einwohnerlisten erhalten sollten. Die Aufgaben der örtlichen Wohnraumbewirtschaftung konnten dagegen nur mit dem nach der Amtsordnung vorgesehenen finanziellen Ausgleich übernommen werden. Es wurde ein Wohnungsausschuß des Amtes gebildet, dem 13 Personen angehörten, außerdem die Schlichtungsstelle für Wohnungsangelegenheiten des Amtes mit 3 Personen unter Einbeziehung eines Vertreters der Flüchtlinge. Nachdem der Kreis einen vorläufigen mtl. Kreiszuschuß von 263 DM zugesagt hatte, beschloß der Amtsausschuß am 17.8.1948 die sofortige Übernahme der Wohnungssachen. Dagegen sollten die Fürsorgeaufgaben erst ab 1.9.1948 übernommen werden. Auch hier wird von einem Verwaltungskostenzuschuß des Kreises und einer neuen Lastenausgleichsregelung des Landes ausgegangen.

In einer Sitzung am 29.9.1948 wurde der Rumpfhaushalt 1948 (für die Zeit nach der Währungsreform) bei 27 % Amtsumlage verabschiedet. Nach der Kommunalwahl vom 24.10.1948 tagte der neue Amtsausschuß erstmals am 27.11.1948 und wählte für den ausgeschiedenen Amtmann Schmidtpott zum neuen Amtmann Kaufmann Max Kolster aus Neuendeich. Ein neuer Amtsfürsorgeausschuß mit 14 Mitgliedern wird gebildet, dazu als Unterausschüsse Orts-Fürsorgeausschüsse. Neu eingeführt wurde ein Amtsbauausschuß. Dagegen wurde die Erteilung von Hausschlachtungsgenehmigungen auf die Bürgermeister delegiert. Ein ergänzender Beschluß wurde zu der Überlassung von 8 Räumen bei der AOK in Uetersen als Büroräume des Amtes im Zusammenhang mit der dafür erforderlichen Unterbringung von Personen aus Uetersen im Amtsbereich gefaßt.

Interessant ist aus heutiger Sicht die Festlegung der künftigen Steuererhebung. Danach "werden die Gemeinden die Gemeindesteuern künftig monatlich durch Boten von den Steuerpflichtigen abholen lassen, die mit der Amtskasse abrechnen. Die nicht an die Boten gezahlten Steuern werden vom Amt im Verwaltungszwangsverfahren beigetrieben. Damit entfallen die besonderen Steuerhebetage des Amtes in den Gemeinden."

Am 22.1.1949 wurde ein Amtsfinanzausschuß aus 6 Mitgliedern neu gebildet. Der Amtsausschuß beschloß am 5.3.1949, für den zum 1.4.1949 zu bildenden Standesamtsbezirk Uetersen-Land Amtsschreiber Stahl zum Standesbeamten zu ernennen. Am 16.3.1949 beschloß der Amtsausschuß den Haushalt für 1949 mit 56.116 DM und einer Amtsumlage von 29 v. H..

Am 25.6.1949 stimmte der Amtsausschuß dem Antrag des Zweckverbandes Alters- und Pflegeheim Heidgraben zu, die laufende Verwaltung und die Rechnungsführer-Aufgaben auf das Amt zu übertragen.

Das Protokoll vom 6.8.1949 enthält den neuen Geschäftsverteilungsplan, der 11 Stellen und 2 Lehrlinge beinhaltet. Es wurde einstimmig beschlossen, wegen der dienstlichen Belange des Amtes den Beamten und Angestellten im Rechnungsjahr 1949 höchstens 14 Tage Erholungsurlaub zu bewilligen! So könnte weiter über viele Details der schwierigen Anfangszeit berichtet werden. Angeführt werden soll aber doch, daß am 1.4.1950 die Erhebung der Gewerbesteuer auf die Gemeinden überging und dem Amt übertragen wurde sowie seit dem 1.4.1950 dem Amt die monatliche Auszahlung der Unterhaltshilfe oblag.

3. Änderung der Amtsordnung 1950

Am 29.3.1950 wurde die neue Fassung der Amtsordnung veröffentlicht. Nach den zwischenzeitlichen Neuwahlen trat der neue Amtsausschuß erstmals am 29.4.1950 zusammen; er bestand nunmehr aus 12 Vertretern, da der größeren Gemeinde Moorrege nach der geänderten Amtsordnung ein weiterer Sitz zustand. Gewählt wurden wieder die Mitglieder des Wohnungsausschusses, der zuletzt am 5.3.1957 tagte, des Fürsorgeausschusses, des Personalausschusses, des Finanzausschusses, der sich erstmals aus allen 6 Bürgermeistern zusammensetzte, und des Bauausschusses. Bei dem am 19.8.1950 beschlossenen Nachtragshaushalt konnte der Amtsumlagesatz auf 24 v. H. der Steuerkraftzahlen (Grundsteuern, Gewerbesteuer) und Schlüsselzuweisungen gesenkt werden. In der Sitzung vom 4.11.1950 wurde die Anwendung der TO.A - Vorgänger des BAT - für die Angestellten beschlossen.

Der Seilermeister Hinrich Petersen aus Moorrege übernahm am 9.6.1951 stellvertretend die Aufgaben des ehrenamtlichen Amtmannes und wurde am 7.6.1952 zum Amtmann gewählt. Diese Aufgabe nahm er bis zu seinem Ausscheiden am 6.5.1966 wahr.

4. Einwohnerzahlen

Nach dem Ergebnis der Volkszählung vom 30.9.1950 konnte am 27.1.1951 berichtet werden, daß bei einer Einwohnerzahl im Amt von 8.772 Personen auf Einheimische 5.325 und auf Flüchtlinge 3.447 entfallen. Im Jahre 1939 waren für die Gemeinden 4.382 Einwohner gemeldet. Durch die Vertriebenen und Flüchtlinge war diese Zahl im Januar 1949 auf 8.983 gestiegen und sank nach den Umsiedlungsaktionen im Oktober 1956 auf 7.631 Personen. Von da an stieg die Zahl der Einwohner vor allem wegen der Zuzüge (neue Baugebiete, leer gewordene Wohnungen) wieder:

1970 = 9.089
1980 = 10.651
1990 = 10.942
1996 = 11.863

Damit ist das Amt im Lande die zweitgrößte und im Kreis Pinneberg die bevölkerungsmäßig größte Amtsverwaltung.

5. Änderung der Amtsordnung 1952

Bereits am 17. Mai 1952 wurde die Amtsordnung erneut geändert. Sie sah für die Ämter keine besonderen Ausschüsse mehr vor, sondern beabsichtigte, daß sich im Bedarfsfall das Amt der Ausschüsse der Gemeinden bediente. Beim Amt Moorrege wurde an den eigenen Ausschüssen, insbesondere am Finanzausschuß, festgehalten, der bis heute aus den Bürgermeistern besteht und aufgabenmäßig dem Hauptausschuß einer hauptamtlichen Gemeinde vergleichbar ist sowie den Kontakt zwischen den Gemeinden stärkt.

6. Bau des Amtshauses und Umbenennung in "Amt Moorrege"

Schon frühzeitig war zu erkennen, daß der zunehmende Aufgabenumfang und der dafür notwendige Personalstand zweckmäßigerweise zu eigenen Räumlichkeiten führen sollte. Am 20. Sept. 1952 befaßte sich der Amtsausschuß mit dem Antrag der Gemeinde Moorrege, den Amtssitz nach Moorrege zu verlegen. Dem Bau eines eigenen Amtshauses nach den Plänen des Architekten Münster aus Uetersen wurde am 8.11.1952 zugestimmt. Am 14.4.1953 fand der 1. Spatenstich, am 25.7.1953 das Richtfest statt. Die neuen Räume konnten am 17.12.1953 bezogen werden. Die Baukosten einschl. 2 Wohnungen betrugen 145.078,42 DM, was für die damalige Zeit jedoch eine finanziell schwerwiegende, aber zukunftsweisende Entscheidung war. Die Gemeinde Moorrege hatte das Grundstück zur Verfügung gestellt und eine Vorwegleistung von 60.000 DM erbracht. Moorrege erhielt daher im Amtshaus eigene Räume und stattete den Sitzungssaal aus.

Bei der Einweihungsfeier am 17.12.1953 wurde zum Ausdruck gebracht, daß das Amtshaus für alle Zeiten ausreichen wird! Damals konnte niemand voraussehen, welche Entwicklungen die Gemeinden nehmen und welche zusätzlichen Aufgaben entstehen werden.

Am 20.2.1954 beschloß der Amtsausschuß die Umbenennung in "Amt Moorrege", am 9.10.1954 auch die entsprechende Änderung des Standesamtsbezirks.

7. "Lex Moorrege"

Große Probleme gab es um 1960, als die Steuerkraft der Gemeinde Moorrege etwa bis 2/3 der gesamten Steuerkraft aller Gemeinden angestiegen war. Dadurch hatte Moorrege anteilig eine zu hohe Amtsumlage zu entrichten, was sich nur mildern ließ, wenn zum Beispiel die Schlüsselzuweisungen prozentual höher als die Gewerbesteuergrundlagen zur Amtsumlage herangezogen werden konnten. Durch eine entsprechende Eingabe des Amtes konnte Herr Stahl erreichen, daß die sog. "Lex Moorrege" vom Landtag aufgegriffen wurde. Dadurch wurde die Realisierung der Ausamtungswünsche der Gemeinde Moorrege vermieden.

8. Aufgabenzuwächse, eigenes Bauamt, Pensionierung des Amtsschreibers

Anfang der 60er Jahre stieg allgemein die Steuerkraft der Gemeinden und stand für den großen Nachholbedarf im landwirtschaftlichen und innerörtlichen Wegebau zur Verfügung, nachdem um 1958 alle großen Gemeinden Schulneu- bzw. -anbauten errichten mußten und viele sog. "kleine Schulbauvorhaben" mit hohen Zuschüssen in allen Gemeinden durchgeführt wurden.

In einem großen Umfang konnten Wirtschaftswegebau- und GIK-Straßenbau-maßnahmen aufgegriffen werden, da die Zuschußmöglichkeiten optimal genutzt wurden. Der Kreis sah sich nicht mehr in der Lage, diese Maßnahmen technisch zu betreuen, so daß beim Amt 1965 ein eigener Bauingenieur, Herr Karl-Wilhelm Möller, eingestellt wurde, dem auch die Betreuung der Gebäudeunterhaltung oblag.

Erstmals wurde 1958 mit der Erhebung von Anliegerbeiträgen für den Straßenbau begonnen, nämlich mit der Dorfstraße in Heidgraben und Maßnahmen in den anderen drei großen Gemeinden. 1962 begann die Gemeinde Moorrege mit dem Bau der Schmutz- und Regenwasserleitung.

Schon 1960 wurden das erste Diktiergerät und ein Fotokopiergerät beschafft, um bei den ständig steigenden Aufgaben rationeller arbeiten zu können. Die erste rechnende Buchungsmaschine wurde 1961 eingesetzt.

Auf eigenen Wunsch wurde Herr Stahl zum 1. Sept. 1966 pensioniert. Er hatte eine leistungsfähige Amtsverwaltung aufgebaut und war im Kreis und im Land wegen seines Einsatzes für die Selbstverwaltung und für die Stärkung der Ämter - begünstigt durch seine Führungsposition im Fachverband der Leitenden Verwaltungsbeamten - bekannt. Seine Verdienste wurden vom Innenminister des Landes Schleswig-Holstein durch die Verleihung der Freiherr-vom-Stein-Medaille am 6.1.1964 gewürdigt. Zu seinem Nachfolger wählte der Amtsausschuß den am 1.11.1957 eingestellten Amtsoberinspektor Kurt-Uwe Heidecke, der bis zu seiner Pensionierung am 31.12.1995 als LVB des Amtes Moorrege tätig war.

9. Änderung und Neufassung der Amtsordnung 1966, 1. Amtsvorsteher

Am 24.5.1966 wurde die Amtsordnung geändert und neu gefaßt. Damit war beabsichtigt, die Verwaltungskraft und Leistungsfähigkeit der Ämter so zu stärken, daß sie die künftigen Aufgaben im ländlichen Raum bewältigen konnten. Gleichzeitig wurde die Amtsbezeichnung "Amtmann" durch "Amtsvorsteher" (für den ehrenamtlichen Leiter) ersetzt und die Funktionsbezeichnung "Amtsschreiber" in "Leitender Verwaltungsbeamter" geändert.

Bürgermeister Willy Heinrich Ochs aus Groß Nordende wurde nach der Kommunalwahl 1966 in der konstituierenden Sitzung des Amtsausschusses am 6.5.1966 neuer Amtmann und nach der Neufassung der Amtsordnung der erste Amtsvorsteher; diese Aufgabe nahm er bis zu seinem Ausscheiden am 10.5.1982 mit großem Engagement wahr. Für seine vielfältigen kommunalen Tätigkeiten wurde ihm am 26.2.1982 die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

10. Einführung der Datenverarbeitung und WIBERA-Gutachten, Amtsjubiläum

Die ständig zunehmenden Aufgaben in den Gemeinden und im Amt führten zu erheblichen zusätzlichen Belastungen des Amtes und zu Personalmehrbedarf, der nur durch den frühestmöglichen Einsatz der neuen Datenverarbeitungsmöglichkeiten gemildert werden konnte.

Im Sommer 1967 konnte sich das Amt mit der Wohngeldberechnung der neuen Datenverarbeitung anschließen. Zum 1.1.1968 folgte das gesamte Meldewesen. Zur Vorbereitung auf die Umstellung auf Datenverarbeitung im Kassen- und Haushaltswesen wurde vom Amt Moorrege ab 1.1.1968 als erste Verwaltung im Lande der bare Zahlungsverkehr eingestellt. Mit der Datenverarbeitung für das Kassen- und Haushaltswesen ab 1.1.1969 war das Amt die 6. Verwaltung im Lande, die sich hierzu entschloß, wobei auch die übrigen 5 Verwaltungen bezeichnenderweise nur Ämter waren! Im Kreis Pinneberg was das Amt Moorrege also die erste Verwaltung mit Datenverarbeitung auf diesem Gebiet. Verwirklicht wurde außerdem die Einrichtung einer Schreibzentrale.

Die Gemeindevertretung Heist war trotzdem der Meinung, es läge eine personelle Überbesetzung des Amtes vor, da sich dort Gemeindevertreter auf einen Erlaß des Innenministers über die personelle Mindestbesetzung der Ämter berieten. Dieser Erlaß regelte jedoch nicht die Besetzung nach Aufgabenumfang, die beim Amt Moorrege eher einer hauptamtlichen Verwaltung gleichkam. Der Amtsausschuß entsprach einem Antrag der Gemeinde Heist auf Erstellung eines Verwaltungsgutachtens durch die WIBERA. Das Gutachten vom 15.1.1972 widerlegte die Bedenken der Gemeinde Heist zur personellen Besetzung, anders als es kürzlich im WIBERA-Gutachten für Uetersen zu lesen war! Wichtig war, daß das Gutachten ebenfalls die unzureichenden Raumverhältnisse im Amtshaus aufgriff und einen Verwaltungsanbau empfahl.

Das 25jährige Jubiläum des Amtes Moorrege wurde am 30. März 1973 im "Lindenhof" in Heist mit allen Amtsausschußmitgliedern, den Gemeindevertretern und Mitarbeitern gebührend gefeiert.

11. Erster Amtshausanbau 1974

Der Amtsausschuß beschloß am 12.4.1972, gutachtliche Vorentwürfe einzuholen, und konnte nach einer Auslobung und Einschaltung eines Gutachterausschusses am 30.1.1973 Architekt Münster, Uetersen, den 1. Preis zusprechen. Da zu diesem Zeitpunkt die Frage der Ämterzusammenlegung für kleine Ämter vom Land aufgegriffen wurde und von dort die Angliederung des Amtes Haseldorf an das Amt Moorrege im Raum stand, konnten ein Landes- und Kreiszuschuß von je 1/3 der förderungsfähigen Kosten, und zwar je höchstens 235.000 DM erreicht werden. Es war eine besonders günstige Finanzierung, zumal die Gemeinde Moorrege wiederum das erforderliche Grundstück kostenlos zur Verfügung stellte. Mit dem Bau, der Gesamtkosten von rund 834.000 DM verursachte, konnte nach der Auftragsermächtigung durch den Amtsausschuß vom 18.3.1974 im Frühjahr 1974 begonnen werden. Nach der Richtfeier am 21. August 1974 wurde der Anbau bereits am 15.1.1975 bezogen und am 7.3.1975 im Beisein von dem damaligen Innenminister Titzck eingeweiht.

12. Neue Aufgaben für das Amt

Um 1970 hatten sich vom Amt Moorrege die Gemeinden Moorrege und Heist und vom Amt Haseldorf die Gemeinden Haseldorf und Haselau trotz der fehlenden Zentralitätsfunktion und damit ohne Zentralitätsmittel entschieden, den großen Engpaß an der Realschule in Uetersen durch einen eigenen Realschulbau in Moorrege zu beseitigen und gleichzeitig die nach dem geänderten Schulgesetz erforderlich gewordene überörtliche Hauptschule zu verwirklichen, so daß die bisherigen Volksschulen in diesen Gemeinden als Grundschulen verwendet wurden. Die Verwaltung für den dazu am 25.10.1971 gegründeten Schulverband Schulzentrum Moorrege wurde dem Amt übertragen. Die benötigten Grundstücke konnten frühzeitig günstig erworben werden. Kommunalpolitiker und Amt konnten für die verschiedenen Bauabschnitte, für den Bau der Sporthalle und des Stadions sehr günstige Finanzierungen für die förderungsfähigen Baukosten erreichen.

Eine "zweite Lex Moorrege" konnte zugunsten des Schulverbandes am 12. Juli 1978 erreicht werden, als es in einem Gespräch in Kiel gelang, kurz vor der Verabschiedung des neuen Schulgesetzes den § 128 dahin zu ändern, daß die Zuschüsse für den Schülertransport in Schulverbänden erhalten blieben, was damals jährlich 60.000 DM ausmachte.

Dieselben vier Gemeinden beschlossen, gemeinsam die ärztliche Versorgung für diese Gemeinden zu verbessern. Sie einigten sich darauf, die Errichtung eines Ärztehauses in Heist zu fördern. Dazu wurde eine entsprechende BGB-Gesellschaft (GbR) gegründet, deren Geschäftsführer im Rahmen seiner dienstlichen Tätigkeiten der jeweilige Leitende Verwaltungsbeamte des Amtes Moorrege wurde. Für den Erwerb und die Erschließung des Grundstücks bewilligte der Innenminister eine Sonderbedarfszuweisung zu Händen des Amtes Moorrege, dessen Amtsausschuß am 15.5.1975 der Vergabe der Erschließungsarbeiten zustimmte. Viel Verwaltungsaufwand war und ist bei mehrfachem Ärztewechsel wegen der erforderlichen Vertragsänderungen und Gutachten hierzu erforderlich.

Bis 1995 hatten alle Gemeinden ihre zentralen Ortsentwässerungen herstellen können. Besonders für Neuendeich gestaltete sich die Finanzierung schwierig. Erreicht werden konnte ein besonders hohes Zuschußvolumen für das Vakuumsystem.

Viele neue Baugebiete wurden in den Gemeinden erschlossen und meistens durch die Gemeinden selbst an Bauwillige vergeben, wozu vielfach neben der verwaltungsmäßigen Durchführung auch Vertragsentwürfe anstanden. In diesem Zusammenhang muß auch der enorme Verwaltungsaufwand im Bauamt mit F-Planänderungen, insbesondere aber mit der Aufstellung und teilweise mehrfachen Änderung von Bebauungsplänen herausgestellt werden.

Um 1973 wurde über das Kommunalabgabengesetz die sog. Abgabe zur Regelung der Gemeindeverhältnisse eingeführt, mit deren Zahlung jeder Bauherr zu den Folgekosten in seiner Gemeinde beitragen sollte (Bauabgabe). Die 4 großen Gemeinden führten diese Abgabe ein und konnten, solange die Abgabe erhoben werden durfte, damit ein finanzielles Polster bilden, auch mit Anteilen für das Amtshaus. Die Abgabe war schnell umstritten, trotzdem konnte das Amt in Verwaltungsstreitverfahren 1978 die Hebeberechtigung untermauern. Selbst 1980 wurden für unsere Gemeinden noch positive Urteile gefällt.

Ausgenutzt werden konnten die durch Änderung des Finanzausgleichsgesetzes auch auf Kreisebene eingeführten Sonderbedarfszuweisungen aus dem Kreisfonds für gemeindliche Maßnahmen. Unser Amtsbereich konnte in den ersten Jahren um 1975 bis zu 30 % der beim Kreis verfügbaren Mittel für sich in Anspruch nehmen!

13. Gesetz über kommunale Zusammenarbeit (GKZ)

Der Landtag beschloß dieses Gesetz am 20.3.1974. Es waren für die zentralen Orte Nachbarschaftsausschüsse zu bilden. Zu der von den zentralen Orten vorgesehenen Verwendung der eingeführten Zentralitätsmittel im Finanzausgleichsgesetz waren umfangreiche Verwaltungsvorlagen zu erstellen.

Das GKZ legte aber auch fest, daß innerhalb eines Amtes bestehende Zweckverbände auf das Amt überzugehen hatten. Damit wurde der Zweckverband Altenheim Heidgraben aufgelöst und Bestandteil des Amtes Moorrege. Das Heim konnte am 1.5.1985 an einen privaten Betreiber verpachtet werden. Am 8.9.1993 stimmte der Amtsausschuß zu, dieses Heim an den Pächter auf 50 Jahre in Erbbaupacht zu vergeben; er billigte die Vertragsformulierung am 8.3.1994 und den abgeschlossenen Vertrag am 24.5.1994. Dem Amt gehört jedoch weiterhin die große Weide und das Waldgrundstück neben und hinter dem "Seniorenpflegeheim".

14. Neufassung der Amtsordnung am 11.11.1977

Eingeführt wurde wieder die Möglichkeit, eigene Ausschüsse des Amtes zu bilden. Der Amtsausschuß hatte öffentlich zu tagen und erhielt mehr Mitglieder aus den größeren Gemeinden. Hatte der Amtsausschuß bis dahin 13 Mitglieder, so erhöhte sich die Zahl nach der Kommunalwahl 1978 auf 19 Mitglieder. In dieser Zusammensetzung tagte der Amtsausschuß erstmals am 9.5.1978. Im Sitzungssaal mußte dazu der große Sitzungstisch durch 2 Beistelltische vergrößert werden.

Ermöglicht wurde 1977 auch, für das Amt ein eigenes Wappen einzuführen. Hiermit konnte sich der Amtsausschuß am 1.6.1982 nicht anfreunden und lehnte ein eigenes Wappen am 29.8.1983 ab. Die amtsangehörigen Gemeinden Heist, Holm, Moorrege und Neuendeich haben zum Teil seit vielen Jahren Wappen und inzwischen auch ihre eigenen Flaggen.

15. Weitere Rationalisierungen

Der Amtsausschuß stimmte am 21.10.1975 zu, sich der Kreisbesoldungsstelle anzuschließen und ihr die Automatisierung der Berechnung und Auszahlung von Gehältern, Vergütungen und Löhnen zu übertragen. Am 31.3.1980 wurde der Grundsatzbeschluß zur Neuanschaffung einer Buchungsmaschine gefaßt und am 1.6.1982 zugestimmt, sich nunmehr der Datenzentrale in Kiel mit einer EDV-Anlage (Siemens - Mehrplatzsystem) anzuschließen. Der Amtsausschuß stimmte am 29.5.1986 zu, mit der Datenzentrale einen Vertrag über eine neue EDV-Anlage mit Mietablösung auf 5 Jahre abzuschließen. Am 16.9.1980 wurde beschlossen, ein bewegliches Notstromaggregat anzuschaffen, das seit 1982 verfügbar ist.

16. Neuer Amtsvorsteher und bauliche Unterhaltung

Amtsvorsteher Ochs trat zur Kommunalwahl 1982 aus Altersgründen zurück. So wurde in der ersten Sitzung nach der Wahl am 10.5.1982 Herr Herbert Ehlers, damals in Heist wohnhaft, zum Amtsvorsteher gewählt.

1985 wurde das Trauzimmer mit neuem Gestühl ausgestattet, nachdem sich die Zahl der an einer Trauung Teilnehmenden ständig vergrößert hatte. Für den Amtshaus-Altbau wurde es notwendig, mit der Fenstererneuerung zu beginnen. Der Amtsausschuß stimmte am 24.6.1985 zu, alle Dachfenster mit Gauben zu erneuern. Anfang 1986 wurde für rund 5.000 DM eine Schrankwand im Zimmer des Amtsvorstehers aufgestellt, in der das ständig sich erweiternde Amtsarchiv untergebracht wurde, wozu die ehemalige Amtsangestellte Frau Luise Ladewig viele Beiträge über Gemeinden und Familien geliefert hat. Herr Heidecke baute das Archiv mit entsprechender Literatur und einem Fotoarchiv aus. Ebenfalls 1986 wurde eine Schrankwandveränderung im Bereich des Ordnungsamtes durchgeführt, um einen kleinen zusätzlichen Raum zu erhalten. Am 16.2.1987 beschloß der Amtsausschuß die Anschaffung der 1. Durchwahltelefonanlage und am 22.11.1988 die Anschaffung des 1. Fax-Gerätes. Bereits am 17.5.1989 mußte sich der Amtsausschuß mit den Leckagen im Flachdach des Anbaues von 1974/75 befassen.

17. Zweiter Amtshausanbau 1991, Wechsel des Amtsvorstehers

Zwischenzeitlich war weiterer Raumbedarf entstanden, der im Amtsausschuß erstmals am 26.9.1989 angesprochen wurde. Der Amtsfinanz- und -personalausschuß hatte sich am 2.11.1989 für einen Anbau in rückwärtiger Verlängerung des Anbaues 1974/75 ausgesprochen, während Moorrege sich für die büromäßige Herrichtung der inzwischen frei gewordenen Dienstwohnung einsetzte. Der Amtsausschuß erkannte am 21.11.1989 die Notwendigkeit weiterer Büroflächen an und sprach sich zunächst für eine Besichtigung der Wohnung aus. Weitere Kostenermittlungen sollten eingeholt werden, zumal mit der Flachdachsanierung die Idee entstand, durch ein Steildach im dortigen Dachbereich den Raumbedarf abzudecken. In der Amtsausschußsitzung am 12.3.1990 fiel die Entscheidung dahin aus, von der Verwendung der Wohnung, die dann vermietet wurde, abzusehen.

AV Ehlers verlegte seinen Wohnsitz im Winter 1989/90 nach Moorrege und war damit nicht mehr Gemeindevertreter, so daß er nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht wieder Amtsvorsteher werden konnte. Nach der Kommunalwahl 1990 wählte daher der Amtsausschuß in seiner ersten Sitzung am 23.5.1990 Bürgermeister Walter Rißler aus Holm zum neuen Amtsvorsteher.

Der Amtsausschuß befaßte sich erst am 24.9.1990 wieder mit Planungsvarianten. Da Bürgermeister Sorgenfrei aus Moorrege sich gegen eine gemeindliche Zustimmung zur Verlängerung des Anbaues in den "Fuß des Täbergs" hinein wandte, kam als neue Variante ein Vorbau vor dem Anbau 1974/75 auf. Zu diesem Vorbau als zweigeschossiger Klinkerbau mit neuem Eingang entschloß sich der Amtsausschuß am 12.11.1990 und beauftrage das Architektenbüro Münster, Uetersen, entsprechend. Gleichzeitig wurde für den Anbau 1974/75 die Sanierung des Flachdaches festgelegt. Die Amtsverwaltung konnte zwischenzeitlich erreichen, daß der Innenminister bereits am 23.7.1990 die Gewährung eines zinsgünstigen Darlehens aus dem Kommunalen Investitionsfonds über 248.000 DM, für dessen Aufnahme sich der Amtsausschuß ebenfalls am 12.11.1990 aussprach, zusagte. Die Detailplanung des Anbaues wurde am 5.2.1991 gebilligt und zur Flachdachsanierung eine Foliendeckung gewählt. Am 30.4.1991 beschloß der Amtsausschuß die meisten Auftragsvergaben und gleichzeitig eine Nachfinanzierung über 111.000 DM wegen zwischenzeitlicher Kostensteigerungen und der Beseitigung von Moorlinsen. Die weiteren Auftragsvergaben schlossen sich am 24.6.1991 an. Nach Vorarbeiten erfolgte die Grundsteinlegung am 9.7.1991. Das Richtfest konnte am 8.10.1991 begangen werden. Die Räumlichkeiten wurden im Februar 1992 bezogen, während die offizielle Einweihung mit anschließendem "Tag der offenen Tür" am 21.4.1992 stattfand. Diese Lösung war die zweckmäßigste, umfangreichste und architektonisch beste und brachte neben Büroräumen Raum für ein neues Trauzimmer und einen großen Sozial- und Sitzungsraum im Keller, der tiefer liegt als die übrigen Kellerräume.

Wegen des stark gestiegenen Grundwasserpegels mußte sich der Amtsausschuß jedoch am 24.5.1994 mit dem dort entstandenen Grundwasserproblem befassen. Zu den Sanierungsvorschlägen fand nach dem Vorschlag der Architekten eine Zustimmung des Amtsausschusses am 9.11.1994 statt. Ohne Kosten für das Amt wurde der Raum in der Sitzung am 27.4.1995 wieder als verwendungsfähig bezeichnet.

Die Gesamtkosten des Amtes für den Anbau betrugen 757.135,87 DM zuzüglich rund 69.000 DM für die Einrichtung. Von den bereitgestellten Mitteln für ein neues Gestühl im Aufenthaltsraum wurden am 1.10.1992 vom Amtsausschuß nur 8.000 DM freigegeben, wofür 20 Stühle und einige variable Tische beschafft wurden. Am 9.3.1993 wurde der Restbetrag mit einem Sperrvermerk versehen und eine Freigabe dem Amtsfinanz- und -personalausschuß übertragen, der sich nach Abschluß der Raumsanierung hierzu am 14.6.1995 entschloß. So konnten einige weitere Stühle und insbesondere Tische angeschafft werden. Nach deren Lieferung im September 1995 finden dort auch die Sitzungen des Amtsausschusses - erstmals am 6.11.1995 - statt.

18. Änderung/Neufassung der Amtsordnung 1993 und Gleichstellungsbeauftragte

Mit der Änderung und Neufassung der Amtsordnung am 28.12.1993 erhöhte sich die Zahl der Mitglieder des Amtsausschusses ab Kommunalwahl 1994 auf 24. Die Stellung des Leitenden Verwaltungsbeamten wurde gestärkt. Er wurde jetzt auch Dienstvorgesetzter der Mitarbeiter und Stellvertreter des Amtsvorstehers in Auftragsangelegenheiten. Der auf 24 Mitglieder erweiterte Amtsausschuß trat zu seiner ersten Sitzung nach der Kommunalwahl am 24.5.1994 zusammen.

Die Neufassung der Amtsordnung beinhaltete aber auch für die Ämter die gesetzliche Vorgabe, eine Gleichstellungsbeauftragte einzustellen, die für Ämter über 10.000 Einwohner hauptamtlich zu sein hatte. Die Gemeinde Holm hatte sich für die Ämter in Schleswig-Holstein einer Musterklage über den Gemeindetag angeschlossen, um beim Bundesverfassungsgericht zu klären, ob eine derartige gesetzliche Vorgabe zur Einstellung einer Gleichstellungsbeauftragten zulässig sei. Ein Amt selbst war nicht klagebefugt. Am 9.11.1993 befaßte sich der Amtsausschuß mit dem Antrag von Holm, die Kosten der Verfassungsbeschwerde zu übernehmen, die mit 10.000 DM geschätzt wurden. Der Amtsausschuß beschloß, an den Gemeindetag wegen Kostenübernahme heranzutreten. Nach für die Kommunen negativer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vertagte der Amtsausschuß eine Kostenübernahme am 23.2.1995, beschloß aber am 17.8.1995, der Gemeinde Holm die ihr entstandenen Kosten von 9.506,27 DM zu erstatten. Das Amt hatte sich an den Innenminister gewandt und beantragt, für das Amt und jede Gemeinde eine ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte einzustellen, um die Kosten einer hauptamtlichen Kraft zu sparen. Zwischenzeitlich hörte sich der Amtsausschuß Erfahrungen von zwei hauptamtlichen Kräften an und beschloß als Voraussetzung für eine Einstellung nach der Ablehnung durch den Innenminister am 6.11.1995 eine entsprechende Ergänzung der Hauptsatzung des Amtes. Seit dem 1.10.1996 ist Frau Rosemarie Weber als 1. hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte des Amtes mit großem Engagement tätig.

19. Weitere Aufgaben und Erweiterung der Datenverarbeitung

In 5 amtsangehörigen Gemeinden waren inzwischen Dorfgemeinschaftshäuser bzw. gemeindliche Veranstaltungsräume entstanden. Mit dem Kindergartengesetz ergab sich die Notwendigkeit, neben den in Holm und Heidgraben vorhandenen Einrichtungen auch in Heist und Moorrege Kindertagesstätten zu schaffen.

Seit 1988 wirkte sich verstärkt die Zunahme der Asylbewerberzahlen kosten- und arbeitsmäßig aus. Besonders belastet wurde hierdurch das Sozialamt, das personell verstärkt werden mußte, zumal ihm auch die räumliche Unterbringung der Asylbewerber obliegt.

Die Datenverarbeitung wurde zunächst nach Beschluß des Amtsfinanz- und -personalausschusses vom 8.9.1993 erweitert (Textverarbeitungssystem mit Bildschirmarbeitsplätzen für die Schreibzentrale, der die Anlage am 3.11.1993 geliefert wurde). Es wurde begonnen, in den EDV-genutzten Räumen eine spezielle Beleuchtung zu installieren. Der Amtsausschuß beschloß am 23.2.1995 die Einführung der Datenverarbeitung für das Sozialamt, wozu ein Entscheidungsgremium gewählt wurde, das kurzfristig die Mittel freigab, so daß eine Lieferung im April 1995 erfolgen konnte. Im Investitionsprogramm des Amtshaushalts war die Erneuerung der gesamten Datenverarbeitung für 1996/97 angedacht. Rücklagemittel wurden dazu angesammelt.

20. Wechsel in der Stelle der Leitenden Verwaltungsbeamten

Der LVB Kurt-Uwe Heidecke vollendete am 10.12.1995 das 65. Lebensjahr und schied damit zum 31.12.1995 aus. Er konnte die Amtsgremien immer rechtzeitig von anstehenden Veränderungen informieren, da er von 1974 - 1996 Kreisvorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages und in dieser Eigenschaft auch Mitglied des Landesvorstandes war. Hier wirkte er in einem kleinen Kreis auch an den Vorstellungen des Gemeindetages zur Neufassung der Amtsordnung 1993, wovon der Landtag etliche Vorschläge aufgriff, mit. Außerdem war Kurt-Uwe Heidecke von 1971 - 1989 Landesvorsitzender des Fachverbandes der Leitenden Verwaltungsbeamten. Für diese Tätigkeit verlieh ihm der Innenminister am 26.11.1992 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Bereits am 27. April 1995 befaßte sich der Amtsausschuß mit der Nachfolge für den LVB und beschloß eine Ausschreibung. In die engere Wahl kamen 2 Bewerber, die sich dem Amtsausschuß am 22.6.1995 vorstellten. Der Amtsausschuß entschied sich in dieser Sitzung dafür, den seit 1.9.1970 für das Amt tätigen Kämmerer Jürgen Manske zum 1. Januar 1996 zum Leitenden Verwaltungsbeamten zu bestellen. Als Stellvertreter des LVB fungiert seit Jahrzehnten der bewährte Bauamtsleiter Eckhardt Froese.

Am 22. August 2003 konnte mit einem Tag der offenen Tür und einem feierlichen Akt im Gemeindezentrum der Gemeinde Heidgraben das 50-jährige Bestehen des Amtshauses Moorrege gefeiert werden.

Die von Herrn Heidecke bewusst seinem Nachfolger überlassene Entscheidung für die Erneuerung und Fortschreibung der Datenverarbeitung war von Herrn Manske mit seinen Mitarbeitern umfangreich zu klären und zu lösen. Dazu war auch ein EDV-Sonderausschuss gebildet worden. Der Amtsausschuss stimmte 1997 der EDV-Umstellung zu, die Kosten von rd. 490.000 DM verursachte. Hierfür waren seit Jahren Rücklagemittel angesammelt worden. Mit der neu angebotenen Software ist das Amt bei der Datenzentrale Schleswig-Holstein geblieben. Die Hardware-Konfiguration wurde von der Fa. Siemens, Niederlassung Hamburg, installiert.

Zeitgleich wurde im März 1997 die Telefonanlage durch eine moderne Siemens-Hicom-Anlage ersetzt.

Das Holmer Gemeindebüro wurde 1998 mit dem Amt vernetzt über Rechner und Laserdrucker, was auch für die Gemeindebüros in Heist und Heidgraben folgte.

Das 50-jährige Bestehen des Amtes – seit 01.04.1948 – wurde zünftig im Juni 1998 im Gemeindezentrum Heidgraben gefeiert. In Vorträgen ließen Herr Heidecke und Herr Manske, Letzterer auch mit Blick in die Zukunft – darüber Revue passieren. Dabei konnte auch das LOGO des Amtes Moorrege vorgestellt werden. Gegen ein eigenes Wappen hatte sich ein früherer Amtsausschuss ausgesprochen.

Der LVB Herr Manske konnte am 01.04.2000 sein 40-jähriges Dienstjubiläum festlich begehen.

21. K.I.L.O. im Amt Moorrege und Ausbau der Services

Das Amt hat sich 2001 an einem vom Land Schleswig-Holstein geförderten Prozess (kommunale Initiative für lernende Organisation = KILO) teilgenommen mit Fragebogenaktion der Bürger und hat das Ergebnis bis ende 2002 umgesetzt. Damit versteht sich das Amt mehr denn je als Service-Einrichtung für die am 30.09.2004 vorhandenen rd. 13.300 Einwohner in seinen 6 Gemeinden.

Für die Vision „Dienstleistungsunternehmen“ hat Herr Manske zum 01.04.2003 die bisher in einer Verwaltung bestehenden Ämter (Abteilungen) mit Haupt- und Ordnungsamt, Sozialamt, Bauamt und Amt für Finanzen umorganisiert durch eine Verwaltungsstrukturreform und dafür die TEAMS 1 = Innerer Service, 2 = Bürgerservice, 3 = Finanzen, 4 = Soziale Dienste, 5 = Planen und Bauen, 6 = Kommunikations- und Strukturmanagement und 7 = Ordnung und Technik eingeführt.

Als Verwaltungssitz in Moorrege unter dem neuen Namen „Amt Moorrege“ konnte das Amt 2003 auf 50 Jahre seiner Tätigkeit zurückblicken und beging hierfür am 22.08.2003 einen Tag der offenen Tür und hatte zu Abend Gäste eingeladen.

Zu diesem Feste hatte Frau Ute Rodehau aus Moorrege ein 6-teiliges Gemälde in Acryl auf Japanpapier geschaffen, das die 6 amtsangehörigen Gemeinden symbolisiert. Es hat dann seinen Platz gefunden im Neubau im Treppenaufgang und wurde nach dem Anschluss von Appen entsprechend erweitert.

Seit Dezember 2003 ist das Amt im Internet und damit online. Seit August 2008 können die Bürger dort Politik-Unterlagen ihrer Gemeinden einsehen.

Durch die Moorreger Karnevalisten erfolgt weiterhin am Rosenmontag eine friedliche Amtshauserstürmung, unterstützt durch Schulkinder der Grundschule Moorrege, die verkleidet und singend durchs Amtshaus für Stimmung sorgen. Die Grundschule ist ebenso jährlich in der Vorweihnachtszeit einmal vormittags im Flur des Amtshauses zum Singen von Weihnachtsliedern.

Im Jahre 2005 mussten 100.000 € aufgewendet werden für eine neue EDV-Anlage, da die Geräte bis 9 Jahre alt waren.

22. Eingliederung der Gemeinde Appen

Der Landesrechnungshof empfahl 2003/04 eine Ämterreform, der sich das Land anschloss. Im Dezember 2004 standen die Appener Politiker vor der Notwendigkeit, die Kosten ihrer Verwaltung zu senken und zu prüfen, ob als mögliche Partner die Ämter Pinneberg-Land und Moorrege infrage kämen. Im Juni 2005 spricht sich Appen für eine Kooperation mit dem Amt Moorrege aus. Unser Amtsausschuss segnet im August 2005 eine Verwaltungsfusion ab. Sie soll am 01. Juli 2006 in Kraft treten, womit Appen seine Selbstständigkeit nach knapp 50 Jahren aufgibt. Bereits zum 01. Oktober 2005 wurde mit der Bildung eines gemeinsamen Standesamtsbezirks kooperiert. Das Innenministerium stimmte der Fusion zu und bewilligte eine „Hochzeitsprämie“ von 250.000 €. Um diese Zeit fanden auch mehrfach Gespräche mit dem Amt Haseldorf statt wegen eines Anschlusses an unser Amt. Haseldorf entschied sich jedoch für eine Verwaltung durch die Stadt Uetersen. Den Fusionsvertrag segneten die Gremien von Appen, unser Amtsausschuss und die 6 Gemeinden im März 2006 ab mit den Regelegungen auch für die Personalüberleitung und Vermögensauseinandersetzung.

Zur Unterbringung der Mitarbeiter aus Appen wurden am Amtshaus bauliche Erweiterungsmaßnahmen notwendig, die im Juni 2006 begannen und sich bis August hinzogen. Mit dem Überbau der Dachterrasse und einem Vorbau am Verbindungsgang konnten die notwendigen Büros und ein neues Trauzimmer geschaffen werden neben einem weiteren Archivraum im Keller. Hierfür und für Einrichtung fielen 220.000 € an Kosten an. Es wurde dann festgestellt, dass die Fusion für beide Partner mit finanziellen Vorteilen verbunden ist. Der offizielle Festakt der Fusion wurde am 01. Juli 2006 im Appener Bürgerhaus begangen. Durch diesen Anschluss von Appen stieg die Einwohnerzahl unseres Amtes auf rund 19.500 Einwohner.

Im Obergeschoss des Altbaues wurde die vermietete frühere Dienstwohnung zum 01.09.2003 frei. Nach und nach wurden die Zimmer büromäßig verwendet und eine endgültige Herrichtung mit Verbindung zum Neubau im Zusammenhang mit den Bauarbeiten im Sommer 2006 durchgeführt. Zuvor wurde zur Schaffung eines weiteren Archivraumes der Treppenniedergang vom Hof aus beseitigt und der Kellerflur dort entsprechend umgenutzt.

Das 60-jährige Bestehen des Amtes am 01. April 2008 wurde nicht besonders gefeiert, aber in der Presse durch größere Abhandlungen hervorgehoben. Es wurde aber eine Ausstellungsreihe im Amtshaus präsentiert und unter anderem die sogenannte Ahnengalerie vorgestellt. Dafür hatte der Grafik-Designer Hamann die Fotos der Amtsvorsteher und leitenden Verwaltungsbeamten zum Vorbild genommen für seine zeichnerische Darstellung der Genannten. Diese Bilder haben ihren Platz im Vorflur zum Amtsvorsteher und LVB gefunden.

Nach Aufgabe des Alten- und Pflegeheimes Heidgraben durch den Pächter wurden die Gebäude 2006 abgerissen. Das Amt konnte letztlich im Mai 2008 das ca. 15.000 qm große Grundstück an ein Maklerunternehmen veräußern, das eine Bebauung durchführen will, wozu die Gemeinde Heidgraben einen B-Plan aufstellt.

23. Ein neuer LVB ab dem 01.06.2009

Mit Vollendung seines 65. Lebensjahres ging Oberverwaltungsrat Jürgen Manske Ende Mai 2009 in den Ruhestand und wurde im Dörpshus in Holm festlich verabschiedet.

Schon am 05.04.2008 wurde zur Wiederbesetzung die Stelle des Leitenden Verwaltungsbeamten zum 01. Juni 2009 ausgeschrieben. Nach einem Auswahlverfahren entschied sich der Amtsausschuss im November 2008 als Nachfolger für den LVB des Amtes Breitenfelde Rainer Jürgensen, der zum 01. Juni 2009 damit der neue leitende Verwaltungsbeamte des inzwischen rd. 19.500 Einwohner umfassenden Amtes Moorrege mit 7 Gemeinden wurde. Seine rationelle Führung kam schon kurzfristig dadurch zum Ausdruck, dass er zur Kostenersparnis 2 PKW leaste, wodurch die Dienstfahrten mit privateigenen Fahrzeugen der Mitarbeiter wegfielen. Im Zusammenhang mit dem erneuerungsbedürftigen Abstellraum auf dem Hofgelände wurde gleichzeitig ein Carport für 2 Fahrzeuge errichtet.

24. Das Amt wird hauptamtlich verwaltet

Seit dem 01. April 2015 wird das Amt Moorrege hauptamtlich verwaltet. An der Spitze der Verwaltung steht nun ein Amtsdirektor. Herr Rainer Jürgensen, bisher Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes, wurde durch den Amtsausschuss zum Amtsdirektor gewählt. Der bisher ehrenamtliche Leiter der Verwaltung, Amtsvorsteher Walter Rißler, bleibt dem Amt als Vorsitzender des Amtsausschusses erhalten.

Zusammengetragen von Kurt-Uwe Heidecke (Leitender Verwaltungsbeamter bis zum 31.12.1995)